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Kinderwunsch

Schilddrüsen- und Sexualhormone, wie z.B. das Östrogen, stehen miteinander in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Schilddrüsenfunktionsstörungen können daher bei Frauen zu Zyklusstörungen, fehlendem Eisprung und somit zur Unfruchtbarkeit führen.

Funktionsstörungen der Schilddrüse können bedingt sein durch
• Autoimmunthyreoiditis (Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt)
• Zustand nach Schilddrüsenoperation / Radiojodtherapie
• Medikamentös verursachte Schilddrüsenentzündung (z.B. Interferon, Amiodaron)
• Zustand nach anderer Schilddrüsenentzündungen (z.B. subakute Thyreoiditis de Quervain)
• Morbus Basedow (TSH-Rezeptor-Antikörper-Bildung, führt zum Auftreten einer Hyperthyreose)
• Zustand nach Bestrahlung des Halses in der Jugend
• Schilddrüsenhormonmehrbedarf im Rahmen einer Östrogenbehandlung bei In- vitro-Fertilisation und einer gestörten Funktionsreserve der Schilddrüse (z.B. Thyreoiditis)

Ursache für Schilddrüsenfunktionsstörungen bei Frauen im gebärfähigen Alter sind häufig Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (z.B. Autoimmun-thyreoiditis vom Typ Hashimoto, Autoimmunthyreopathie vom Typ Morbus Basedow).

In Folge einer Autoimmunthyreoiditis (chronische Entzündung der Schilddrüse im Rahmen einer Autoimmunerkrankung) kommt es häufig zu einer latenten oder manifesten Unterfunktion. Bei der manifesten Unterfunktion ist gesichert, dass diese die Konzeptionsfähigkeit reduziert.

Um Schilddrüsenstörungen zu erkennen, wird - bei jeder Patientin die nicht Schwanger werden kann - ein "Screening" durchgeführt und der basale TSH-Wert (TSH = Thyreoidea-stimulierendes Hormon) bestimmt. Dieses Hormon wird von der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet und steuert die Funktion der Schilddrüse. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion steigt der TSH-Spiegel an. Zusätzlich werden die freien Schilddrüsenhormonspiegel Thyroxin (fT4) und Trijodthyronin (fT3) bestimmt.

Bei allen Patientinnen mit Kinderwunsch sollte ein TSH-Wert <2.5 mU/l angestrebt werden. Insbesondere bei Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch empfiehlt sich die Einstellung des TSH-Wertes um ca. 1 mU/l !

Vor der Einleitung der SD-Hormontherapie sollte eine Schilddrüsenabklärung erfolgen (Bestimmung der Schilddrüsen-Antikörper, Ultraschall und ggf. eine Szintigraphie), um die zugrundeliegende Erkrankung zu diagnostizieren.

Bei einem erhöhten TSH und positiven Schilddrüsen-Antikörpern, die sich bei ca. 7,5 % aller Frauen im gebärfähigen Alter finden, besteht Einigkeit, dass man Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin) verabreichen sollte, da sich im weiteren Verlauf häufig eine manifeste Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse entwickelt. Durch die Einnahme eines Schilddrüsenhormonpräprates, wird der Krankheitsverlauf verzögert und das Auftreten einer Hypothyreose-Symptomatik sowie einer hierdurch verursachten gestörten Fruchtbarkeit verhindert.

Üblich ist der Therapiebeginn mit täglich 25 µg bis 50 µg L-Thyroxin. Stoffwechselkontrollen erfolgen dann zunächst nach ca. 4-6 Wochen bis der erwünschte TSH-Spiegel vorliegt.
Eine Jodidgabe (bis 100 μg täglich) ist auch bei erhöhtem Schilddrüsen-Antikörper möglich, ohne dass eine Autoimmunthyreoiditis verschlechtert wird!

Seltener finden sich latente oder manifeste Überfunktionen (Hyperthyreose) als Ursache für eine gestörte Empfängnis.
Eine Schilddrüsenüberfunktion wird im gebärfähigen Alter der Frau in bis zu 85 % der Fälle durch eine Autoimmunhyperthyreose vom Typ Morbus Basedow verursacht. Hierbei lassen sich erhöhte Antikörper gegen den TSH-Rezeptor (TRAK) nachweisen, die meist zu einer gesteigerten Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormon führen.

Vor einer Schwangerschaft sollte - bei bekannter hoher immunologischer Aktivität - ggf. über eine frühzeitige definitive Therapie (Operation, Radiojodtherapie) nachgedacht werden.
Nach einer Radiojodtherapie empfiehlt sich eine Schwangerschaft erst nach sechs Monaten, da möglicherweise zunächst keine stabilen Stoffwechselverhältnisse bestehen.
Eine Jodsupplementation ist bei einer Überfunktion der Schilddrüse kontraindiziert!

Bei einer ungestörten Schilddrüsenfunktion und dem Nachweis von TSH-Rezeptor-Antikörpern (TRAK) ergibt sich zunächst keine weitere therapeutische Konsequenz. Es empfehlen sich im Verlauf jedoch regelmäßige Stoffwechselkontrollen. Eine Jodsupplementation sollte in diesem Falle sicherheitshalber vermieden werden.

Auch aufgrund einer Östrogengabe - im Rahmen einer reproduktionsmedizinischen Behandlung - kann ein Mehrbedarf an Schilddrüsenhormon entstehen, der bei einer eingeschränkten Schilddrüsenfunktion möglicherweise nicht ausreichend gedeckt werden kann. Es empfiehlt sich daher vorab eine Schilddrüsenabklärung und ggf. die Einleitung einer Schilddrüsenhormonsubstitution.